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Am 18. September 2008 fiel der Startschuss für das Projekt „Entrepreneurship-Education an der Wilhelm-Knapp-Schule“ in Weilburg. Ins Leben gerufen wurde die Projektidee von der Schulleitung und den Lehrern der Fachschule Martin Petzsche und Thomas Magyar.
In dem neuen Projekt geht es um die Entwicklung und Durchführung von Seminaren zu den Themenbereichen Unternehmensgründung und Unternehmensnachfolge. Der deutsche Arbeitsmarkt macht in den letzten Jahren einen gewaltigen Umstrukturierungsprozess durch. Klassische Berufslaufbahnen und sichere Lebensarbeitsverhältnisse werden immer seltener. Sie werden durch atypische Arbeitsverhältnisse wie Leiharbeit, Heimarbeit, Ich-AGs, Scheinselbständigkeit und vieles mehr ersetzt.
Daneben steigt aber auch der Mut vieler Arbeitnehmer, ihr geregeltes Arbeitsleben gegen eine unternehmerische Selbständigkeit einzutauschen. Allein im Jahr 2007 wurden laut einer Erhebung des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn 426.000 neue Betriebe in Deutschland gegründet. Dem gegenüber stand jedoch mit 415.000 Insolvenzen eine ähnlich große Anzahl von Geschäftsaufgaben.
Was waren die Gründe? Häufig sind es kaufmännische Defizite, undurchdachte Geschäftsideen, ungenaue Finanzierungspläne, Überschätzung der zu erwartenden Umsätze und mangelhafte Fach- bzw. Branchenkenntnisse. Doch woher könnte ein potentieller Unternehmensgründer diese Kernkompetenzen besser bekommen als von einer kaufmännischen Schule wie der Wilhelm-Knapp-Schule, in der schon seit Jahren genau an diesen Themenstellungen gearbeitet wird. In der Fachschule Franchising, die seit 2006 an der WKS eine Qualifizierung zum „Franchise-Manager“ anbietet, wurde ein Curriculum entwickelt, welches sich mit allen wichtigen Fragen der Unternehmensgründung beschäftigt.
Der Studiengang ist unter der Leitung von Martin Petzsche inzwischen zu einer etablierten Qualifizierung für den Nachwuchsmarkt der Franchise-Branche geworden und schließt eine seit langem bestehende Ausbildungslücke. Ziel der zusammen mit dem Deutschen Franchise-Verband e.V. (DFV) initiierten Ausbildung ist es, die Studierenden für die speziellen Aufgaben in einem Franchise-System zu qualifizieren. Die Absolventen werden gezielt auf ihre späteren Tätigkeiten als Mitarbeiter im Management einer Franchise-Zentrale, als künftige Franchise-Nehmer oder als Franchise-Geber vorbereitet.
Das Alleinstellungsmerkmal des Studiengangs Franchising ist der hohe Praxisbezug. Von Beginn an wurden hochkarätige Dozenten aus der Praxis in die WKS eingeladen. Zu den Gästen zählten die bekanntesten Franchise-Unternehmensberater im deutschsprachigen Raum, wie Reinhard Wingral (Global Franchise AG) und Waltraud Martius (SYNCON Österreich), aber auch Fachanwalt Dr. Karsten Metzlaff und das Franchise Finance-Team der Deutschen Bank.
Die Studierenden suchen den persönlichen Kontakt mit der Wirtschaft auf einschlägigen Branchenveranstaltungen wie dem Deutschen Franchise-Forum und der START-Messe in Essen. Ebenso bei Terminen direkt vor Ort in den Systemzentralen bekannter Unternehmen.
Selbst Hand anlegen dürfen und müssen die angehenden Franchise-Betriebswirte, die aus allen Bundesländern nach Weilburg kommen, wenn sie von Ausbildungsleiter Martin Petzsche ins Praktikum geschickt werden. Dort – in der Realität des operativen Geschäfts – erhalten die Studierenden einen tiefen Einblick in die Systemzentralen der erfolgreichen Größen und lernen zukünftige Arbeit- oder Franchisegeber kennen. Die Franchise-Branche benötigt qualifizierten Nachwuchs. Das gilt nicht nur für die großen, sondern auch für viele mittlere und kleine Systeme, die mit professioneller Hilfe richtig durchstarten können. Häufig ist das Praktikum bereits der Start für eine weitere Zusammenarbeit, beispielsweise in einer firmenspezifischen Projektarbeit Die Anzahl der Studierenden hat sich bereits verdoppelt – eine ansehnliche Wachstumsrate. Petzsche und Magyar betrachten den Studiengang als sehr erfolgreich und verfolgen den Plan, die Wilhelm-Knapp-Schule als Nachwuchsschmiede für die Franchisebranche weiterhin konsequent auszubauen und das vorhandene Know-how nun weiteren Kreisen von Interessenten zur Verfügung zu stellen.
Durch die Entwicklung von verschiedensten Entrepreneurship-Modulen zu allen wesent-lichen Bereichen der Unternehmensgründung, wie z.B. Erstellung eines Businessplans, Standortanalyse, Gründungsfinanzierung und vielen weiteren Themen, soll ein praxisnahes Paket für potentielle Unternehmensgründer geschnürt werden, damit diese ihre Geschäftsideen später erfolgreich am Markt umsetzen können. Die Module sollen ab 2009 für externe Interessenten geöffnet werden. Zielgruppe dieser Veranstaltungen sollen aber nicht nur Unternehmensgründer sein. Auch für Unternehmensnachfolger und leitende Angestellte wird es praxisrelevante Module geben, die ihnen Hilfestellungen für den Geschäftsalltag bieten können.
Begleitet werden soll dieser Prozess durch eine Zusammenarbeit mit dem Institut für Wirtschaftspädagogik der Wirtschaftsuniversität Wien. Der Lehrstuhlinhaber Univ.-Prof. Dr. Josef Aff, der über eine langjährige Erfahrung in der schulischen Entrepreneurship-Education verfügt, konnte glücklicherweise für eine Zusammenarbeit mit der Wilhelm-Knapp-Schule gewonnen werden. In einem mitreißenden Vortrag stellte er im Rahmen der Auftakt-veranstaltung am 18.09.2008 den Gästen, Lehrern und Schülern der Wilhelm-Knapp-Schule sein Konzept zu einer schulischen Implementierung der Entrepreneurship-Education an beruflichen Schulen vor. Unternehmertum und Selbständigkeit gehen für ihn weit über die reine Anhäufung von BWL-Kenntnissen hinaus. Selbständigkeit bedeutet Verantwortung übernehmen für sich, die Mitarbeiter und die Umwelt. Daher ist der Lernort Schule für ihn ein äußerst geeigneter Raum, Entrepreneurshipwissen erfolgreich zu vermitteln.
Interessenten für die neu entwickelten Entrepreneurship-Module können sich entweder direkt an die Schule oder an Herrn Petzsche und Herrn Magyar wenden und werden gerne weitergehend informiert.
info@wilhelm-knapp-schule.de t.magyar@online.de martin.petzsche@gmx.de
Text: Martin Petzsche, Thomas Magyar September 2008
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