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Geschichte der Wilhelm-Knapp-Schule
von 1846 bis zur Gegenwart

III. 1958 - 1967: Ausbau, Bewährung und Festigung (1)

Übersicht: Entstehung der “Aufbauschule”; Pläne für einen weiteren Ausbau; der Name Wilhelm-Knapp-Schule entsteht.

1958-1967: Die Ära Breithecker

In den bisherigen Ausgaben des WKS-Forums haben wir die Entwicklung der Berufsschule im Kreis Weilburg von ihren Anfängen im Fürstentum Nassau in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts geschildert - über 110 Jahre wechselvolle Geschichte im Spiegel der politischen Systeme.

Mit der Vollendung der ersten beiden Schulbauten (1954/58) scheint die Entwicklung zu einem gewissen Abschluss gekommen zu sein. Die Zeit des Herumvagabundierens ist endlich vorbei, die Schule hat ihre Heimat und damit die Möglichkeiten, sich in den vorhandenen Schulformen zu finden und zu festigen. Sie gleitet jetzt in ruhigem Fahrwasser. Nach dem Schulleiter dieser Jahre nennen wir diese Zeit die Ära Breithecker.

Welche Wege bietet die Weilburger Berufsschule? So fragt im Weilburger Tageblatt vom 15. November 1965 der Kollege Gottfried Schubert und gibt mit seiner Antwort gleichzeitig eine Bestandsaufnahme der berufsschulspezifischen Möglichkeiten.

Die klassische Berufsschule verzeichnet die meisten Schüler und beschäftigt auch die meisten Lehrer. Sie ist üblicherweise in die  gewerblichen, hauswirtschaftlichen und kaufmännischen Abteilungen gegliedert. Die landwirtschaftliche Abteilung ist noch rudimentär vorhanden und steht vor ihrem endgültigen Auslaufen, desgleichen die Abteilung Bergbau mit einer kleinen Gruppe von Bergknappen. Die Haushaltungsschule, später haus- und ernährungswirtschaftliche Berufsfachschule, bietet begabten Mädchen mit Volksschulabschluss die Möglichkeit zu gehobenen Frauenberufen zu kommen ,- Kindergärtnerin, Krankenschwester, Hebamme -, aber auch die Gelegenheit zum Besuch der Frauenfachschule und zum Eintritt in Lehrberufe wie Arzthelferin, Apothekenhelferin und Laborantin. Diese Schulform hat an der Berufsschule eine lange Tradition; ihre Bedeutung im emanzipatorischen Prozess dieser Jahre ist nicht zu unterschätzen.

Die Handelsschule, später kaufmännische Berufsfachschule, existiert seit dem Schuljahr 1949/50. Ihr Besuch ist bereits nach acht Volksschuljahren möglich. Wer sie nach zwei Jahren mit bestandener Prüfung verlässt, hat gute Chancen, eine Lehrstelle als Bankkaufmann, Bürokaufmann, Industrie-
kaufmann oder Großhandelskaufmann zu erhalten. Auch der Weg in den gehobenen Beamtendienst steht offen, ebenso der Übergang an ein berufliches Gymnasium. Die Handelsschule schöpft gewissermaßen die Bildungsreserve der Volksschule aus. Bemerkenswert ist, dass auch an dieser Schulform der Anteil der weiblichen Schüler weit überwiegt, womit sich auch hier ein emanzipatorischer Nachholeffekt zeigt.

Die Aufbauschule, kurz Aufbauzug genannt, besteht seit Herbst 1964. Wer einen „nicht konstruierenden Beruf“ erlernt hat, kann hier im Vollzeitunterricht in einem Jahr bzw. zwei Semestern die Fachschulreife erwerben mit einer Prüfung, die im wesentlichen dem Realschulabschluß entspricht. Dazu kommt ein Fachbereich aus dem Gebiet des erlernten Berufes. Das Abschlusszeugnis berechtigt zum Besuch weiterführender Fachschulen und des Hessenkollegs, einer Einrichtung, die ihrerseits zum Abitur und damit zum Studium an einer Universität oder einer Technischen Hochschule führt.

Diese Schule hat ein sehr weites Einzugsgebiet; auch die benachbarten Bundesländer gehören dazu. Auffällig ist der große Anteil von Landwirten, die in andere Berufe streben. Die Schüler wohnen wie früher die Pädagogigstudenten zur Miete in Weilburg und Umgebung. Zeitweise wird  sogar ein Wohnhaus am Webersberg angemietet, in dem der Kollege Schubert gewissermaßen als Hausvater nach dem Rechten schaut.

Diese Schulformen gibt es auch heute noch an der Wilhelm-Knapp-Schule; allerdings hat die Akzeptanz in der Öffentlichkeit stark abgenommen.

In der Zwischenzeit geht die Entwicklung auf einem ureigenen Gebiet der Berufsschule weiter, dem der gewerblichen Berufsschule. Hier ist die Situation im Gegensatz zu der bei den hauswirtschaftlichen und kaufmännischen Abteilungen äußerst unbefriedigend. Es gibt so gut wie keine Demon-
strationsräume mit den entsprechenden Einrichtungen, es gibt keine Werkstätten. Vor allen Dingen fehlt ein wichtiger Baustein im Fachschulbereich, die gewerbliche Berufsfach-
schule, die dies alles benötigt. Die Schule meldet sich deswegen lebhaft zu Wort und auch die Kreispolitiker Oberlahn fordern einen Ausbau der gewerblichen Berufsschule.

Ab 1966 setzt eine rege planerische Tätigkeit ein. Architekt Kämpf, einer der Schulbauer Hessens, legt ein Modell vor, das eine sogenannte endgültige Konzeption für die Kreisberufsschule vorsieht. Unter Einbeziehung der bestehenden Gebäude (A- und B-Bau) soll mit einem mehrstöckigen Gebäude an der Nordostseite für die Verwaltung, aber auch für weitere Klassen- und Fachräume, mit einem Werkstattgebäude, ein regelrechtes Berufsschulzentrum entstehen.

Den knappen finanziellen Möglichkeiten des Oberlahnkreises entsprechend wird dann der Werkstattbau als eines der drei Projekte, die er sich leisten kann, - die beiden anderen sind der Neubau des Kreiskrankenhauses und das Hallenschwimmbad -, vorgezogen.

Er steht auch zunächst nur als eine der Alternativen zur Diskussion. Eine weitere ist, die Werkstätten in dem zu überdachenden Bauhof hinter dem B-Bau unterzubringen, die sog. Minimallösung. Und die dritte ist die Kooperation mit dem Nachbarkreis Limburg. Unter Kooperation versteht man wie noch so oft später die Zusammenlegung  bzw. Verlagerung von Fachklassen an einen der beiden Schulorte Weilburg oder Limburg und zwar den mit den besseren Ausbildungs-
bedingungen. Ein Ausschuss mit den vier Berufsschuldirektoren Frau Peter, Breithecker, Schwank und Sommer sowie dem Oberstudienrat Leistner, dem stellvertretenden Schulleiter der Kreisberufsschule Weilburg, soll Vorschläge unterbreiten. Für Weilburg ist nichts Gutes zu erwarten, haben doch die wegen ihres größeren Einzugsgebietes begünstigten, nach Berufsfeldern bereits spezialisierten und zudem reicheren Limburger Schulen hier einen Vorsprung, den eine aktive Limburger Kreispolitik konsequent ausnutzt.

In diese unruhige Zeit hinein vollzieht sich ein wichtiger personaler Wechsel. Ferdinand Breithecker wird nach 35 Dienstjahren pensioniert. Seine Tätigkeit an der Kreisberufsschule, durch Krieg und Gefangenschaft unterbrochen endet am 14. Juli 1967. Sie hat ihn, den Wegbegleiter Wilhelm Knapps, den dornigen Weg vom Wanderlehrer bis zum Schulleiter gehen lassen. Er hat mit seinen Zeitkollegen Aufbaugeschichte geschrieben. Leider sind ihm nur wenige Jahre des verdienten Ruhestandes gegönnt gewesen. Gesundheitlich durch die Strapazen der Gefangenschaft angeschlagen stirbt er am 15. Januar 1972.

Recht bald nach dem Ausscheiden Ferdinand Breitheckers verzeichnet das Weilburger Tagblatt die Schlagzeile „Neuer Leiter und neuer Name für die Berufsschule“. Der neue Leiter ist Willibald Nowak aus Frankfurt am Main, der neue Schulname ist WILHELM-KNAPP-SCHULE, womit der legendäre  Schulmann, der im Jahr zuvor, am 24. November 1966, verstorben war, eine posthume Ehrung erfährt.

Zur Ära Breithecker sei noch ein personaler Anhang nachgetragen . Wer sind die Lehrerinnen und Lehrer, wer die schulischen Hilfskräfte in dieser Zeit?

Aus der gewerblichen Abteilung sind dies neben dem Schulleiter Breithecker die Kollegen Bernhardt, Winkler, Luther, Schulz, Bäppler, Höhler, Schubert, Joost, Witte, Schmidt, Klick. In der Hauswirtschaft arbeiten die Kolleginnen Niemeyer, John, Letschert, Schmitt, Heider, Kurz, Weber, Neinhardt, Hiller, Rippl und der Kollege Benstein. Die kaufmännische Abteilung ist  noch die kleinste und beschäftigt die Kolleginnen Kappstein, Grauer und Schwarz und die Kollegen Söhngen, Burth, Leistner, Thielmann und Weber.  Im Aufbauzug und in den Berufsfachschulen unterrichten eine Reihe von Kollegen aus den allgemeinbildenden Schulen die Fächer Deutsch und Englisch, so beispielsweise die Herren Zimmermann, Heimann, Schloss und Schulz. Die Sekretärinnen sind in diesen Jahren Frau Michel und Frau Bubenheim, die Hausmeister Wilhelm Heimann und Werner Krafft.

Text: Steffen Watz


 

 

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