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Geschichte der Wilhelm-Knapp-Schule
von 1846 bis zur Gegenwart

IV. 1967 - 1976: Ausbau, Bewährung und Festigung (2)

Übersicht: Weitere Bauabschnitte; die “Fachlehrer”; Abgabe von Klassen nach Limburg; “Hinführung zur Arbeitswelt”; die Forstwirte kommen.

1967 – 1976  Die Ära Nowak

Mit Willibald Nowak kommt ein Berufsschullehrer alter Prägung an die Schule, ein Mann der sog. Frankfurter Schule. Als ehemaliger Maschinenbauwerkmeister hat er die pädagogische Laufbahn mit einem Studium am Frankfurter Berufspäda-
gogischen Institut, dem sog. BPI, begonnen. Seit 1947 ist er Lehrer an der Philipp-Holzmann-Schule in Frankfurt. 1956 erhält er einen Lehrauftrag am BPI, wird 1959 Fachvorsteher, 1963 Fachleiter im Metallgewerbe an seiner Schule. Nach einem Kurzeinsatz als kommissarischer Schulleiter an einer Kasseler Berufsschule bekommt er die Schulleiterstelle in Weilburg. Immerhin schon Endfünfziger stürzt er sich vehement in die Arbeit und begibt sich unverzüglich an die Lösung der anstehenden Aufgaben: Ausbau der gewerblichen Abteilung, insbesondere Einrichtung der gewerblichen Berufsfachschule, Werkstattbau. Der Chronist und die Kolleginnen und die Kollegen, welche diese Zeit miterlebt haben, erinnern sich gerne an die permanente Aufbruchstimmung dieser Jahre, die dieser agile Mann an die Wilhelm-Knapp-Schule bringt.

Es geht voran. Im August 1968 stimmt der Kreistag des Oberlahnkreises dem Plan für den Werkstattbau zu. Im Oktober 1968 werden die Rohbauarbeiten vergeben, am 1. November 1969 ist Richtfest, am 26. Oktober 1970 Einweihung, an der die Prominenz der damaligen Zeit teilnimmt: der Architekt Kämpf, Kreisoberbaurat Knaust, Landrat Schneider, der Kreistags-
vorsitzende Dr. Brodt, zugleich Schulleiter des benachbarten Gymnasium Philippinum, die Landtagsabgeordneten Dr. Loew und Klocksin, Bürgermeister Lehmann und viele andere. Die Nachfeier im Wandelgang zum B-Bau ist als überaus feucht-fröhliche Angelegenheit erlebte Schulgeschichte.

Die  Werkstätten sind das Modernste der damaligen Zeit. Sie decken das Metallgewerbe einschließlich KFZ, das Elektro-
gewerbe und das Bau- und Holzgewerbe ab. Vor allem ermöglichen sie den Fachunterricht der gewerblichen Berufs-
fachschule, die es seit zwei Jahren gibt und die sich bis dahin mit den Erdgeschossräumen des B-Baus behelfen muss.

Dieser Fachunterricht wird von einem für die Wilhelm-Knapp-
Schule neuen Lehrertyp erteilt, den Fachlehrern. Dies sind Meister mit einer zweijährigen pädagogischen Fachausbildung an einem Seminar. Die beiden ersten sind die Kollegen Jürgen Gläser (Metall) und Josef Kolarsch (Elektro). Ihnen folgen später dann Dieter Sagel, Hans Geddert, Dieter Helfrich, Bruno Behr und Herbert Krombach als Gewerbler, bei den Hauswirtinnen Mathilde Saal und Helga Frings, bei den Kaufleuten Kurt Werner Feldhofer und Ursula Kischk. Auf die Meister, die Helfer aus Handwerk und Industrie kann man bis heute nicht verzichten. Stellvertretend für diese schlecht besoldeten Idealisten seien hier die über Jahrzehnte an unserer Schule tätigen Fachkräfte, der Friseurmeister Oskar Sinn und der Elektromeister Hans Heß, genannt.

Was aber tut sich sonst noch an der Wilhelm-Knapp-Schule in der Ära Nowak?

Zunächst steigen die Schülerzahlen oder bewegen sich doch in beruhigenden Höhen. 1971 sind es rund 1500, 1975 immer noch über 1200. Die Zahl der Teilzeitschüler überwiegt natürlich, aber der Anteil der Vollzeitschüler nimmt prozentual zu. 1971 gibt es 4 Klassen GBF, 6 Klassen KBF und 3 Klassen EBF. Dazu kommen 3 Klassen im Aufbauzug.

Aber, der neue Großkreis Limburg-Weilburg (seit 1970) wirft seine ersten Schatten auf die gute Stimmung und fordert die ersten Opfer der Wilhelm-Knapp-Schule. Im Zuge der Kooperation müssen Schüler nach Limburg abgegeben werden. Dagegen kann man nichts tun, denn die vier Berufsschulen, drei Limburger und die eine Weilburger, sind ja jetzt in einem Kreisgebiet und die Arbeitgeber haben die freie Wahl, wohin sie ihre Azubis schicken wollen. Zunächst ziehen die Maler ab, weitere gewerbliche Berufsgruppen sollen folgen. Die Bankkaufleute aus dem Weilburger Raum, die Klassenstärken erreichen, sind schon lange vorher abgegeben worden und kommen nie mehr zurück.

Dafür wird der Schule eine ergiebige neue Schülergruppe zugeführt: Für die Schüler der 9. Schuljahre an den Haupt-
schulen wird ein Berufschultag als „Hinführung zur Arbeits-
welt“, praktisch an Stelle des Werkunterrichtes, für die Fach-
richtungen Metall, Holz und Elektro, zeitweise auch für die kaufmännisch interessierten Schüler eingeführt, den im wesentlichen die Fachlehrer erteilen.

Um die kaufmännischen Berufsfachschüler auf die zukünftige Berufspraxis vorzubereiten,wird ein modernes Lehrbüro installiert, welches, das elektronische Zeitalter ist noch nicht angebrochen, die aktuellen mechanischen Rechen- und Buchungsmaschinen führt. Elektrische Schreibmaschinen und Diktiergeräte in Verbindung mit einem Sprachlabor lösen die alten Schreibgeräte aus den Anfängen der Schreibtechnik ab.

1973 wird zur besseren Auslastung der Werkstatträume die Schweißwerkstatt als DVS-Kursstelle anerkannt und in die Erwachsenenarbeit der Kreisvolkshochschule übernommen. Leiter wird als Gaslehrschweißer der Kollege Hans Geddert.

Seit dem Schuljahr 1973/74 gibt es die Landesfachklassen für Forstwirte, die vom Forstamt Weilburg als dem hessischen Forstlehrbetrieb im Blockunterricht ausgebildet werden und in dem die Kollegen der Wilhelm-Knapp-Schule den allgemein-
bildenden Unterricht übernehmen. 1974 beginnt ein Förderlehrgang für nicht berufsreife Jugendliche in den Fachbereichen Metall und Elektro.

Bei all dem reicht das Raumangebot der Wilhelm-Knapp-Schule nicht aus, so dass die Schulräume der ehemaligen Landwirtschaftswinterschule und der Schulungsraum des Rotkreuzgebäudes in der Frankfurter Straße angemietet werden müssen.

Nicht vergessen werden sollen die Aktivitäten im Rahmen der Weilburger Städtepartnerschaft mit Zevenaar/Holland. Mit der dortigen Technischen School werden Kontakte aufgenommen. Besuche dort und Gegenbesuche hier erweitern den Schul-
horizont und führen zu oft langjährigen Freundschaften.

Das Kollegium wächst stetig, wenn auch die altverdienten, langjährig Gedienten so nach und nach in Pension gehen, so die Kolleginnen Niemeyer, John, Letschert, Kappstein, Schwarz und Neinhardt und die Kollegen Söhngen, Bäppler, Höhler und Klick. Neue kommen, so die Kolleginnen Klocksin, Posselt, Benstein und Cunz und die Kollegen Mai, Watz, Walther, Dank und Lotter, nicht zu vergessen die Religionslehrer Michel (ev.) und Voss (kath.).

Die Nebenamtlichen und Nebenberuflichen sind in der Ära Nowak neben den schon erwähnten aus der Breitheckerschen Zeit die Lehrer von den allgemeinbildenden Schulen, so das Ehepaar Gädke und der Kollege Wetzel, außerdem der Kollege Deubner von der Adolf-Reichwein-Schule in Limburg für den gärtnerischen Fachunterricht im Aufbauzug und die Kollegengattin Schubert, ferner die Meister Bender und Stehr. Frau Bubenheim verlässt als Sekretärin die Schule. Für sie kommt Frau Annelie Heil, die die Schule schon aus ihrer Handelsschulzeit kennt. Sie bleibt bis Ende 1974, dann macht sie bis 1979 eine längere Erziehungspause und kommt mit halber Stelle an ihre altvertraute Wirkungsstätte zurück. Zwischenzeitlich, für etwa ein halbes Jahr, wird sie von einem Fräulein Fries vertreten, das aber nach seiner Eheschließung bald wieder geht. Ab 1974 bis zum heutigen Tag ist dann mit voller Stelle Sekretärin Frau Doris Frank, auch sie ehemalige Handelsschülerin. Hausmeister dieser Jahre bleibt Werner Krafft.

Ansonsten geht es mit der Bauerei weiter. Der 4. Bauab-
schnitt, seinerzeit beim Werkstattbau vom alten Oberlahnkreis aus finanziellen Gründen zurückgestellt, wird jetzt vom neuen Großkreis angepackt. Für rund 4,5 Millionen DM kommt der sog. D-Bau in die Planung. Er sieht die Verwaltung, den kaufmänn-
ischen Bereich, das Lehrerzimmer und Funktionsräume für die naturwissenschaftlichen Fächer vor. 1974 ist Baubeginn, im Dezember 1975 Richtfest.

Die Fertigstellung und Einweihung im März 1977 hat Willibald Nowak nicht mehr im Amt, sondern als überaus rüstiger Pensionär (das ist er auch jetzt im Jahre 2006 als fast Sechsundneunzigjähriger noch) erlebt. In einer stimmungsvollen Abschiedsfeier wird er am 31. Januar 1976 hochgeehrt in den Ruhestand versetzt. In einer relativ kurzen Zeit hat er an der Wilhelm-Knapp-Schule viel geleistet und für sie viel erreicht. Er hat allerdings auch Fortune gehabt, weil die zeitlichen Umstände günstig waren: genügend Schüler und Lehrer und auch die notwendigen finanziellen Mittel. Wie sich die schulischen Dinge bei seinem Nachfolger Lothar Nahm entwickeln, werden wir im nächsten Kapitel Schulgeschichte zeigen.

Text: Steffen Watz


 

 

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