Waldpädagogik und BNE im Berufsschulunterricht der Forstwirtauszubildenden

Murmelbahn

In den Jahren 2018 und 2019 wurde das Thema „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ (BNE) im Rahmen der Pädagogischen Tage des Forstlichen Bildungszentrums (FBZ) Weilburg ausführlich zwischen den Lehrenden des FBZ sowie der Wilhelm-Knapp-Schule (WKS) diskutiert. Aufgrund der Vorteile und Chancen beschlossen die anwesenden Lehrkräfte, dass BNE im Berufsschulunterricht stärker verankert werden soll.

Im Wirtschaftskunde- und Politikunterricht des dritten Ausbildungsjahres bei Astrid Weber ist das Wirtschaftswachstum eines der ersten Unterrichtsthemen. Es geht um die Frage, wie viel davon ist gut und welche Schwachpunkte eine Fokussierung auf diese Prozentzahl hat. Die Themen Nachhaltigkeit und BNE liegen davon nicht weit entfernt, weshalb der Startschuss für BNE verknüpft mit der Waldpädagogik des FBZ in diesem Unterricht fiel.

BNE soll gerade in den Abschlussklassen die Gestaltungskompetenzen fördern und den Klassenzusammenhalt stärken. Zudem soll ein Einblick in die Waldpädagogik für die spätere Arbeit gegeben werden. Nicht zuletzt geht es auch um interdisziplinären Erkenntnisgewinn, denn an praktischen Beispielen können auch Prüfungsinhalte erarbeitet werden.

Die Auftaktveranstaltung fand im und um das FBZ herum statt. David Menke, der Sachgebietsleiters für Waldpädagogik am FBZ gab der Klasse 18 A des dritten Lehrjahres zunächst einen kurzen theoretischen Überblick zu den drei Säulen der Nachhaltigkeit und den zwölf Gestaltungskompetenzen der BNE. Weiterhin diskutierte er mit der Klasse die Vorteile und die Notwendigkeit der Waldpädagogik.

Den praktischen Teil der Veranstaltung bildete der Bau einer Waldmurmelbahn unter Beachtung einiger Vorgaben. Der Bau erfolgte in vier corona-konformen Gruppen und konnte mit viel Spaß realisiert werden. Anschließend folgte eine Präsentation der sehr verschiedenen gelungenen Ergebnisse. Danach wurde in den vier Gruppen unter Beachtung vorgegebener praxisnaher Szenarien eine eigene waldpädagogische Veranstaltung geplant und die Ergebnisse ebenfalls im Sinne des Methodentrainings präsentiert.

Fazit: Es war eine abwechslungsreiche, praktisch orientierte Unterrichtseinheit, die die Kompetenzen der Teilnehmenden im Bereich der „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ gefördert und ihr Interesse für BNE sowie Waldpädagogik geweckt hat. Zudem konnte das für die Abschlussprüfung wichtige selbstständige Präsentieren trainiert werden.

Aus dem Kreis der teilnehmenden Schüler gab es folgendes Feedback: „Der Unterrichtsbesuch von Herrn Menke war sehr aufschlussreich in Bezug auf den Umgang mit Kindern im Wald und auch auf die Wichtigkeit, früh anzufangen, pädagogische Werte zu vermitteln. Im Großen und Ganzen war die Vermittlung an uns Auszubildende in Ordnung, allerdings hätte ich mir gewünscht, dass der Schwerpunkt nicht bei Kindern, sondern auf unserer Altersgruppe (Jugendliche bis Erwachsene) gelegen hätte. Zum Beispiel wie man Erwachsenen die pädagogischen Werte zu vermitteln hat, welche eine solche ‚Belehrung‘ in ihrer Jugend versäumt haben. Ansonsten war es eine gute Sache, die Waldpädagogik aktiv in den Unterricht einzubringen!“, meinte Hagen Batz aus der Forstwirtklasse 18 A und sein Klassenkamerad Steffen Amend vertrat die Ansicht: „Insgesamt war die Aktion Waldpädagogik eine spaßige, interessante und aufschlussreiche Erfahrung, bei welcher man viel mitnehmen konnte. Allerdings wäre es wünschenswert gewesen, wenn es bei der Waldpädagogik etwas mehr um den Bereich Jugendliche und Erwachsene gegangen bzw. dies näher erläutert worden wäre. Aber ansonsten war es ein gelungener Vormittag mit einem interessanten Thema, welches man auch in weiterer Form in den Unterricht integrieren könnte, dass es zukünftig auch häufiger Situationen gibt, wie zum Beispiel einen Waldkindergarten im Revier, wo man diese Fähigkeiten braucht. Außerdem fördert diese Art der Pädagogik auch die Fähigkeit, Waldbesuchern, die Fragen stellen, Wissen und Ideen anschauungsreich zu vermitteln, sowie den Umgang mit Waldbesuchern im Allgemeinen, welche eine Situation nicht verstehen, zu verbessern.“

Den Wunsch, auf die Zielgruppe Jugendliche und Erwachsene in der Waldpädagogik einzugehen, nahmen David Menke und Forstwirtmeister Kai Kramer, der ebenfalls bei dem Projekt mitgewirkt hat, für den Praxistag „Waldpädagogik und BNE“ im Frühjahr 2021 gerne mit.