Englischsprachige Schauspieler präsentierten „Othello“ in der WKS

Englisches Theater

Schüler des beruflichen Gymnasiums der WKS erlebten Shakespeare Drama

„Das war eine packende und dramatische Darstellung, die uns einen englischen Text interessant dargeboten hat!“ Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 11 bis 13 des beruflichen Gymnasiums (BG) der Weilburger Wilhelm-Knapp-Schule (WKS) waren von der Aufführung von William Shakespeares „Othello“ durch sogenannte „Native Speaker“ (Muttersprachler) begeistert. Die angehenden Abiturientinnen und Abiturienten erlebten die Aufführung des bekannten Shakespeare-Dramas in einer Inszenierung des „White Horse Theatre“ unter der Regie von Kenneth Michaels.

Es war für die Schülerinnen und Schüler faszinierend, das Stück von Muttersprachlern in Englisch zu erleben und sie empfanden es als äußerst motivierend, wie gut sie den Dialogen folgen konnten. Die englische Theatergruppe des „White Horse Theatre“, dessen Direktor Peter Griffith ist, reist durch Europa und präsentiert unter dem Motto „Learn English through theatre“ Theaterstücke für unterschiedliche Niveau- und Altersstufen an Schulen, um so den Schülerinnen und Schülern Einblicke in die englische Sprache zu vermitteln.

Das abiturrelevante Drama „Othello“ passte nahtlos in den Literaturkanon des Englischunterrichts und die Aufführung stellte eine Bereicherung zur Bearbeitung der schriftlichen Textfassung im Fachunterricht dar. „Othello, the Moor of Venice” (Othello, der Mohr von Venedig) ist eine Tragödie in fünf Akten, die William Shakespeare um die Jahre 1603 oder 1604 beendete. Die Uraufführung fand wahrscheinlich 1604 statt. Das Drama handelt von dem dunkelhäutigen Feldherren Othello, der aus übertriebener Eifersucht – die durch den Intriganten Iago geschürt wird – seine geliebte Ehefrau Desdemona und später sich selbst tötet. „Othello“ war schon zu Shakespeares Zeit ein äußerst erfolgreiches und populäres Werk, das seit seiner Entstehung eine dichte und ununterbrochene Bühnenpräsenz aufweist. Die bekannteste Adaption des Werkes ist Giuseppe Verdis Oper „Otello“.

Der schwarze venezianische Feldherr Othello, glänzend dargestellt von Sohail Al-Mahri, hat den Florentiner Michael Cassio (gespielt von Michelle Rawlins) bei einer Beförderung dem Fähnrich Iago vorgezogen. Iago – in der Rolle des intriganten Fähnrichs brillierte Cameron John Robertson durch seine durchtrieben erschreckende Darstellung – will sich an Othello rächen. Unterdessen hat Othello heimlich die schöne Desdemona (Sophie Todd) geheiratet.

Der vom Dogen von Venedig hochgeschätzte Othello wird mit seinem Gefolge nach Zypern abkommandiert. Er soll einen Angriff der Türken abwehren. Desdemona folgt dem Geliebten in Begleitung Iagos und ihrer Kammerfrau Emilia, die mit Iago vermählt ist. Schauspielerin Michelle Rawlins fungierte dabei in einer Doppelrolle und spielte neben Leutnant Cassio auch noch Emilia, wobei sie bei den Rollenwechseln ihre darstellerische Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellte.

Die türkische Flotte fällt einem schweren Sturm zum Opfer. Othello lässt daraufhin auf Zypern ein Fest vorbereiten: Gefeiert werden soll der Sieg über die Türken sowie seine Hochzeit mit Desdemona. Iago beginnt, seine Intrige gegen Othello zu spinnen. Es gelingt ihm, Cassio bei Othello in Misskredit zu bringen, sodass dieser seinen Leutnant entlässt. Iago rät daraufhin Cassio, sich an Desdemona zu wenden, damit sie sich bei Othello für ihn einsetze. Diese bedrängt ihre Gatten heftig, dem ehemaligen Leutnant seinen Fehltritt nachzusehen.

Der Feldherr lässt sich von Iago einreden, dass sich hinter Desdemonas Fürsprache in Wahrheit ein Verhältnis zwischen ihr und Cassio verberge. Als der eifersüchtige Othello von Iago Beweise verlangt, legt dieser scheinbar Nachweise für Desdemonas Untreue vor und nutzt bei deren Beschaffung seine unwissende Frau Emilia schamlos aus. Von Iago befeuert, steigert sich Othellos Eifersucht zu Hass. Er erteilt Iago den Auftrag, Cassio zu töten, während er selbst Desdemona vergiften will, aber dieser rät Othello, Desdemona zu erwürgen.

Die junge Frau ist sich keines Unrechts bewusst und auch Emilia verbürgt sich gegenüber Othello für die Treue ihrer Herrin. Verkleidet versucht Iago Cassio umzubringen, dieser überlebt jedoch verletzt den Angriff.

Desdemona beteuert gegenüber Othello ihre Unschuld und fleht ihren Mann um Gnade an. Doch der rasende Feldherr lässt sich nicht aufhalten und erwürgt sie. Er rechtfertigt sein Tun, indem er sich auf Iagos Zeugenaussage beruft. Schließlich gelingt es Emilia, die mörderische Intrige aufzudecken, bevor Iago sie hinterrücks ersticht. Als Othello die Situation durchschaut, stürzt er sich verzweifelt in sein Schwert und stirbt an der Seite seiner Frau. Cassio wird Befehlshaber in Zypern und der gefangene Iago dem Gouverneur überantwortet.

Die vier jungen Schauspieler, Sohail Al-Mahri (Othello), Michelle Rawlins (Michael Cassio und Emilia), der aus Südafrika stammende Cameron John Robertson (Iago) und Sophie Todd (Desdemona) bestachen nicht nur durch ihr sauberes britisches Englisch, sondern auch durch eine hervorragende Darstellungskunst. Im Anschluss an die Aufführung standen die Akteure, denen eine persönliche Interaktion mit dem Publikum besonders am Herzen lag, den Schülerinnen und Schülern noch für Gespräche und Rückfragen zur Verfügung. Die Weilburger Gymnasiasten nutzen ausgiebig die Gelegenheit, sich mit den vier Darstellern auszutauschen und Fragen zu stellen. So erfuhren die Jugendlichen nicht nur einiges über den Werdegang der Schauspieler, sondern auch über die Entstehung des „White Horse Theatre“ und die Herkunft dieses Namens.

Organisator der Veranstaltung war Englischlehrer Patrik Schneider, der das Projekt initiiert und die Theatertruppe engagiert hatte. Gemeinsam mit seinen Fachkolleginnen bereitete der Pädagoge die Schülerinnen und Schüler im Unterricht auf die Aufführung vor, so dass es eine erfolgreiche jahrgangsübergreifende Gesamtveranstaltung für alle Klassen des BG wurde, die den Englischunterricht um eine abwechslungsreiche, lehrreiche und unterhaltsame Variante bereicherte.

 

Weilburg, 19.12.2019