Fahrradreparaturstation der WKS am Bootshaus aufgestellt

fahrradreparaturstation

Stellen Sie sich vor, Sie radeln den Radweg R7 entlang und plötzlich haben Sie einen platten Reifen. Wenn Sie dann gerade in Weilburg am Bootshaus vorbei kommen, dann ist das seit kurzem kein Problem mehr, denn dort steht nun eine „Fahrradreparaturstation.

An dieser Station, die fest im Boden verankert ist, haben Radfahrer die Möglichkeit, leichte Arbeiten – wie das Reparieren eines Schlauches – selbst auszuführen. Die notwendigen Werkzeuge und eine Luftpumpe sind diebstahlsicher für jegliche Art der Reparatur vorhanden. Dafür hat die Firma „Radsport Wern“ gesorgt. Für eine sichere Aufhängung des Rades verfügt der Reparaturständer über eine Montagehalterung, an der das Fahrrad befestigt werden kann. Die Grundausstattung der Station kann mit Zusatzmodulen, wie einer Elektro-Ladestation oder einem Schlauchautomaten, erweitert werden. Den Prototyp bekam die Stadt Weilburg geschenkt, zwei weitere hat die Stadt gekauft. Eine Station kostet 1200 Euro. Die Standorte für die beiden anderen Stationen stehen noch nicht genau fest.

Schüler der Berufsfachschulklassen BFS 11 M (Schwerpunkt Mechatronik) und BFS 11 W (Schwerpunkt Wirtschaft und Verwaltung) der Weilburger Wilhelm-Knapp-Schule (WKS) haben diese Station entwickelt. Eigens dafür wurde eine Schülerfirma mit dem Namen „Quick fix“ gegründet. „Über die Schülerfirma haben wir fünf Reparaturstationen verkauft und wir haben weitere 25 Anfragen“, sagte Lehrer Pascal Brühl, der das Projekt gemeinsam mit seinen Kollegen Claus Bornemann (auf dessen Idee das Projekt basiert) und Martin Schäfer (der die Schülerinnen und Schüler in Kooperation mit Peter Nickel von der Firma Schäfer in Allendorf bei der Planung und Produktion unterstützte) initiiert hat und betreut. In Zukunft läuft der Vertrieb des Produkts über die Firma Schäfer aus Allendorf, die das Gehäuse für die Station fertigt.

„Es ist ein kerniges Produkt entstanden und ich sage Danke für dieses spannende Projekt“, unterstrich Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch (CDU), und betonte, dass die beteiligten Schüler stolz auf sich und ihre Leistung sein könnten. Die Fahrradreparaturstation nütze sowohl Weilburgern als auch Touristen. „Diese Station wird mit Sicherheit Verwendung finden“, meinte Dr. Johannes Hanisch.

Die Schüler hätten das Projekt von A bis Z komplett durchgeplant, sagte Pascal Brühl. Viele Ortschaften entlang der Lahn würden ein großes Interesse an der Fahrradreparaturstation bekunden, hob WKS-Schulleiterin Dr. Ulla Carina Reitz hervor und sagte weiter: „Ein großes Dankeschön an alle Beteiligten, wie Schule und Stadt, und ich hoffe, dass wir noch viele Projekte gemeinsam anstoßen können.“

Bevor die Reparaturstation in Angriff genommen werden konnte, habe bei der Auswahl des Verkaufsproduktes darauf geachtet werden müssen, dass sich bei der Planung und Produktion Inhalte aus den Lehrplänen der Schwerpunktfächer Mechatronik sowie Wirtschaft und Verwaltung beider Klassen wiederfinden, erläuterte Pascal Brühl. Weltweite Klimaerwärmung und deren Auswirkung seien in heutiger Zeit ein zentrales Thema. Dass auf diesem Gebiet dringender Handlungsbedarf bestehe, werde immer deutlicher. Zum Erreichen der Klimaschutzziele, aber auch weil Energie und andere Ressourcen stetig knapper und teurer werden, müsse sich das Verbraucher- und speziell das Verkehrsverhalten gravierend ändern. „So ist es hilfreich und ein deutliches Signal zum Umdenken und hin zum Umweltschutz, wenn vor allem kurze Wege im Alltag vermehrt zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigt werden“, sagte Pascal Brühl. Dieser Weg werde mehr und mehr bestritten, wie die zunehmende Zahl an Fahrradfahrern beweise. Doch was passiert, wenn das Zweirad unterwegs einen Defekt hat. Die Stadt Weilburg liegt an dem Lahn-Radweg zwischen Marburg und Lahnstein. Auf der gesamten Strecke biete sich keine Möglichkeit, ein defektes Rad zu reparieren oder einfach nur den Reifen aufzupumpen. Die Weilburger Schülerfirma „Quick fix“ habe in diesem Bereich eine Marktlücke entdeckt, um eine Fahrradreparaturstation für Schnellreparaturen entlang des Radweges an der Lahn zu platzieren.

 

Der Einsatz der Schülerinnen und Schüler hat sich aber auch noch auf einer anderen Ebene gelohnt, denn seinen Ursprung hatte das Fahrrad-Reparatur-Projekt in einer Ausschreibung der „IW (Institut für Wirtschaft) JUNIOR gGmbH“ in Köln. So sind die Jugendlichen unter dem Motto „Wirtschaft erleben“ in die spannende Welt der Unternehmensgründung eingetaucht und kamen schließlich auf die Idee die Schülerfirma „Quick fix“ zu gründen und die Fahrradreparaturstation zu entwickeln.

Die Teilnahme der Jugendlichen am JUNIOR Schülerfirmen Programm hat sich nun ausgezeichnet, denn ihr Projekt wurde mit dem MINT Sonderpreis für innovative Ideen mit kreativem Forschergeist prämiert. Das „Quick fix“ Team überzeugte die Jury mit einer guten regionalen Analyse und dem Aufgreifen eines gesellschaftlichen Trends im Bereich Umweltschutz, der viele Menschen anspricht. Kundenanregungen seien dabei stetig in die Verbesserungen des Produkts eingeflossen und. die Planung mittels CAD sowie die technische Umsetzung zeigten einen starken herausfordernden MINT-Bezug, hieß es zur Begründung. Und weiter: „Unterstützt durch ein aktives Marketing des Teams auf Messen und Social Media Kanälen zeigte das Unternehmen auch unternehmerischen Erfolg. Kunden, wie Gemeinden und Städte konnten damit die Attraktivität ihres Tourismusangebots steigern und trugen mit Ihrem Kauf zu der sehr positiven Erfolgsbilanz des Unternehmens bei.“

Gefördert wird das Projekt vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung aus Mitteln der Europäischen Union – Europäischer Sozialfonds und der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit.

Wer Interesse an einer Fahrradreparaturstation hat kann sich direkt mit der Firma Schäfer unter info@schaefer-metall.de in Verbindung setzen.