Rüstzeug für die Zukunft

Jung-Gesellen bekommen bei Freisprechungsfeier Zeugnisse

Von Sabine Gorenflo

35 Jung-Gesellen haben in einer Freisprechungsfeier in der Wilhelm-Knapp-Schule ihre Prüfungszeugnisse und ihre Gesellenbriefe erhalten. Darunter 21 Gesellen in den Ausbildungsberufen  Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik und 14 in den Ausbildungsberufen Metallbauer und Feinwerkmechaniker.

„Mittlerweile ist es für mich eine schöne Tradition geworden, anlässlich der Freisprechung der Junghandwerker als Schulleiterin zu sprechen“, sagte Dr. Ulla Carina Reitz. Sie bedankte sich bei den vielen Menschen und Institutionen, die an der dualen Ausbildung der heute zu ehrenden Junghandwerker beigetragen haben, insbesondere bei den Eltern, die sie schon lange auf ihrem Weg begleiteten, bei den Ausbildungsbetrieben, den Ausbildern und den Innungen.

„Sie haben einen ehrbaren Beruf erlernt und werden ihr Leben lang ein ehrbares Handwerk ausüben“, sagte Reitz. In den Mittelpunkt ihrer Rede stellte die Schulleiterin den Begriff „Ehre“, gleichwohl er in Deutschland verpönt sei, zumindest in ihrer Generation. Durch Krieg und Nationalsozialismus habe dieser Begriff eine negative Bedeutung erhalten. Auch durch den Begriff der Ehrenmorde sei dieses Wort sicherlich in Verruf geraten, obwohl der ehrbare Handwerker ein durch die Jahrhunderte durchweg positiver Begriff sei. Wer spreche heute noch von Ehrgefühl, Ehrfurcht oder Ehrlosigkeit. Bei näherer Betrachtung jedoch werde deutlich, wie eng der Begriff mit dem des Berufes verwoben sei. „Berufs- oder Handwerkerehre wird geltend gemacht, wenn es um die Qualität der Arbeit geht“, sagte Reitz. Man gehe einer ehrlichen Arbeit nach, übernehme Ehrenämter und es gelte das Ehrenwort eines Handwerkers. Verdienste seien ehrenvoll und Handwerksberufe ehrenwert. Packe man jemanden bei der Handwerksehre, so habe dies Konsequenzen und beleidige man seine Ehre, so könne man sich durchaus vor Gericht wieder sehen.

Dem ehrbaren Handwerker spreche die Gesellschaft fachliches Können, charakterliche Stärke, Ehrlichkeit, Redlichkeit und Prestige zu. Was aber sei mit dem Begriff Ehre eigentlich gemeint und erklärt. „Im Gegensatz zur Würde, die Menschen ohne weitere Bedingungen, nur durch ihr Menschsein selbst zugemessen wird, benötigt die Ehre Bestätigung und Auseinandersetzung mit einem Gegenüber“, meinte Reitz. Eine innere Ehre, bei der es um Stolz, Selbstachtung und das Gefühl gehe, sich selbst im Spiegel ins Gesicht sehen zu können, ebenso eine äußere Ehre, die Anerkennung, Prestige und Achtung der anderen einbringe. Die Ausbilder und Lehrer hätten die Aufgabe gehabt, ihnen die Möglichkeit des Ehrerwerbs deutlich zu machen und zu zeigen, dass es sich lohne. Im Sinne der vorgenannten Definition des ehrbaren Handwerkers wünschte die Schulleiterin den frisch gebackenen Gesellen alles Gute für ihre Zukunft und allen gute, ehrbare und ehrliche Beziehungen zu den Mitmenschen. „Machen Sie, liebe Junggesellen, uns, ihre Ausbilder und Lehrer, nicht arbeitslos und wir hoffen, dass sie alle Familien mit vielen Kindern gründen und irgendwann stolze Eltern sein werden, wenn wiederum ihre Kinder ihr Abschlusszeugnis in Empfang nehmen“, sagte Reitz. Denn Handwerker bräuchten Nachwuchs.

Es sei eine lange Tradition, dass die Wilhelm-Knapp-Schule zusammen mit den Innungen diese Veranstaltung macht. „Den Gesellenbrief in die Hand zu bekommen, heißt den Abschluss geschafft zu haben“, sagte Wolfram Uhe, Obermeister der Metall-Innung Limburg-Weilburg. In der heutigen Zeit sei es eine gute Entscheidung, sich für einen Handwerksberuf entschieden zu haben, denn Handwerker würden gebraucht und seien vorne weit dabei in dem was sie gelernt haben. Uhe lobte das deutsche duale Ausbildungssystem, das weltweit seinesgleichen suche. Nach der Ausbildung könnten Handwerker sofort in den Beruf starten. „Sie haben die Herausforderung angenommen und gemeistert“, sagte Uhe. Sie bräuchten keine Angst zu haben, auch wenn alle Welt von Digitalisierung spreche. Handwerker würden auch in Zukunft gebraucht und Spezialisten seien gefragt bei individuellen Umsetzungen. „Es liegt an ihnen, was sie weiter machen“, machte Uhe Mut. Sie seien nicht nur Handwerker, sondern Praktiker mit dem nötigen Wissen und das sei das Rüstzeug für die Zukunft.

„Sie haben heute ihren Führerschein für das Berufsleben erhalten und dieses Papier ist entscheidend für viele Dinge ihres Lebens“, sagte Helmut Peuser in Vertretung von Landrat Michael Köberle. Jetzt sei jeder seines Glückes Schmied. Der Mensch fange nicht erst mit dem zweiten Staatsexamen an. Handwerker würden in Zukunft umso mehr gesucht und sie hätten das große Los gezogen, denn Chancen wären da. Wolfram Uhe, Jutta Golinski von der IHK, Julia Häuser, IHK-Vollversammlungsmitglied und Stefan Laßmann von der Kreishandwerkerschaft überreichten die Zeugnisse und Gesellenbriefe.

 

Als erfolgreiche Gesellen wurden verabschiedet:

Metallbauer Konstruktionstechnik: Aaron Bapst, Noah Hübner, Wilhelm Kick, Timon Lehn, Patrick Quint, Nico Schäfer, Aaron-Cedric Schneider, Luca Ellis Weber.

Feinwerkmechaniker: Rick Demmer, Marc Harnisch, Jonathan Hoffmann, Jonas-Jerome Sachse, Max Soethe.

Anlagenmechaniker: Bünyamin Saricicek, Dennis Willi Akdeniz, Nils Bauch, Yasin Cinar, Steven Gruszka, Marvin Heimann, Mehmed-Ali Kaynak, Yann-Michael Keßler, Julius Knapp, Pascal Knecht, Timo Knöbl, Alexander Kube, Oliver Menier, Andree Messinger, Almir Muslija, Nils Pacak, Fabian Podzimowski, Hyrshit Shehu, Tim Stefovic, Maximilian Weis, Azad Yagbasan.