Gratulation ohne Händeschütteln - Freisprechungsfeier für Handwerksberufe

Gratulation ohne Händeschütteln – Freisprechungsfeier für Handwerksberufe

Von Andreas E. Müller

 

Sie haben ihre Urkunde und ein Präsent überreicht bekommen. Allerdings mussten sie auf einen Händedruck verzichten. Corona fordert seinen Preis. In einer kleinen Feierstunde in der Wilhelm-Knapp-Schule (WKS) Weilburg wurden Absolventen der Ausbildungsberufe Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK), Metallbauer und Feinwerkmechaniker nach bestandener Abschlussprüfung ins Berufsleben entlassen.

Diese Ausbildungsberufe scheinen immer noch typische Männerdomänen zu sein, nicht eine einzige Frau war bei den Absolventen dabei. Dr. Ulla Carina Reitz, Leiterin der WKS, dankte allen, die zur Ausbildung der jungen Menschen beigetragen haben, vor allem den Betrieben und den dortigen Ausbildern. Ganz unterhaltsam wählte sie ein musikalisches Medley vom Laptop mit Stücken wie Pomp & Circumstance von Edward Elgar, School (Supertramp) und We are the Champions (Queen). „Für Sie beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt im Betrieb oder anderweitig“, sagte sie. Sie wies darauf hin, wie wichtig Nachwuchs in einem ehrbaren Handwerk ist und wünschte allen tolerante Beziehungen zu ihren Mitmenschen im Leben.

Um zu verdeutlichen, welchen Stellenwert eine duale Ausbildung hat, zitierte sie eine Abiturientin, die ihr auf die Frage, wie es für sie weitergehe, gesagt habe: „Wenn‘s gut geht, mache ich eine Ausbildung, wenn’s nicht so gut läuft, studiere ich eben“. Kreishandwerksmeister Wolfram Uhe sprach seinen Dank auch den Mitgliedern der Prüfungsausschüsse aus und betonte den großen Bedarf an guten Handwerkern. „Heizungen werden immer gebraucht und müssen auch gewartet werden“, sagte er. „Ebenso Fenster und Rollläden“. Er wies darauf hin, dass es Nachwuchsmangel im Handwerk gebe und sagte mit Nachdruck: „Wir brauchen Sie ganz dringend“. Das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bezeichnete er als ein Geben und Nehmen und forderte die „Junggesellen“ auf, ihre Zukunft in die Hand zu nehmen.

Es sei wichtig, einen Beruf gefunden zu haben, der Spaß macht. „Optimal ist es, wenn das Hobby zum Beruf wird“, machte er deutlich. Nun müssten die jungen Menschen bei allen derzeitigen negativen Nachrichten positiv nach vorne denken. Karl-Heinz Stoll (SPD) überbrachte Grüße und Glückwünsche von Landrat Michael Köberle (CDU). „Wir können hier im Landkreis Limburg-Weilburg stolz auf unsere Handwerksbetriebe sein“, hob er hervor. „Das Handwerk hat goldenen Boden“, dieser Spruch habe auch künftig seine Berechtigung. „Heute ist aber nicht das Ende, sondern der Startschuss ins weitere Leben“. Es gebe Möglichkeiten der Weiterbildung.

„Lernen endet nie, also seien Sie mutig“, sagte der Politiker, der seit 30 Jahren im Kreistag sitzt. Stoll skizzierte die Möglichkeiten, den Meistertitel zu erwerben und vielleicht einmal ein eigenes Unternehmen zu gründen. Auch Julia Häuser, Geschäftsführerin bei Eisen-Fischer, gratulierte im Namen der Industrie- und Handelskammer (IHK). Dann durften alle „Junggesellen“ einzeln hervortreten und ihren Gesellenbrief in Empfang nehmen. Besonders erwähnt wurden die jeweils Prüfungsbesten. Das waren Sergej Tscherkaschin (Hadamar) im Bereich Feinwerkmechanik und Moritz Walter (Löhnberg) im Bereich Metalltechnik, außerdem Dominik Kremer (Limburg), Benjamin Müller (Elz) und Luca Hoffrogge (Selters) im Bereich SHK.