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Politische Bildung · September 2026

Jakob Springfeld liest an der WKS aus „Unter Nazis“

Der Autor und Aktivist sprach mit den Jahrgangsstufen 11 und 12 des Beruflichen Gymnasiums über Rechtsextremismus, Demokratie und Zivilcourage.

Autor Jakob Springfeld spricht bei einer Lesung in der Aula der Wilhelm-Knapp-Schule Weilburg.
Jakob Springfeld stellte sein Buch „Unter Nazis. Jung, ostdeutsch, gegen Rechts“ an der WKS Weilburg vor.

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Politische Bildung

In seinem Buch „Unter Nazis. Jung, ostdeutsch, gegen Rechts“, das er gemeinsam mit dem Journalisten Issio Ehrich geschrieben hat, beschreibt der 24-jährige Jakob Springfeld aus Zwickau seine Erfahrungen mit Personen aus dem rechtsextremistischen Umfeld bei seinem Einsatz für Demokratie, Meinungsfreiheit und Umwelt. In der Aula der Wilhelm-Knapp-Schule (WKS) Weilburg stellte der junge Autor nicht nur das Buch, sondern auch seine Erlebnisse mit Neonazis den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 11 und 12 des Beruflichen Gymnasiums (BG) vor. Anschließend diskutierte er mit seinem Publikum über die politischen Entwicklungen in Deutschland und die Gefährdung der Demokratie durch rechtsextreme Bestrebungen.

Lesung in Kooperation mit der Landeszentrale

Organisiert wurde die Lesung von Politiklehrer Pascal Brühl in Kooperation mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung und insbesondere mit Sebastian Wendt, der bis Ende August Mitarbeiter der Landeszentrale war und nun als Lehrkraft an der Peter-Paul-Cahensly-Schule in Limburg tätig ist. Sebastian Wendt war mit Jakob Springfeld nach Weilburg gereist, stellte den Nachwuchsautor und Klimaaktivisten vor und betonte: „Wir sind dafür da, die Demokratie zu stärken, und alle sind herzlich dazu eingeladen, daran teilzunehmen.“

Begrüßung und Einführung zur Autorenlesung in der Aula der Wilhelm-Knapp-Schule Weilburg.
Begrüßung und Einführung zur Autorenlesung in der Aula der WKS.

Engagement gegen Rechtsextremismus

Jakob Springfeld wurde 2002 in Zwickau im Freistaat Sachsen geboren und wuchs dort auf. Nach seinem Abitur am Peter-Breuer-Gymnasium in Zwickau zog er nach Halle (Saale) und studiert dort Politikwissenschaft und Soziologie. Seine Eltern engagierten sich 2015 in der ehrenamtlichen Arbeit mit Geflüchteten in Zwickau. Nach den gewalttätigen Ausschreitungen rechtsextremer Gruppen 2018 in Chemnitz gründete er eine Ortsgruppe von „Fridays for Future“ sowie der „Grünen Jugend“ in Zwickau und setzte sich auch öffentlich gegen Rechtsextremismus ein. Bei diesen ersten Schritten als Aktivist erlebte Jakob Springfeld massive Anfeindungen durch Neonazis sowie regelmäßige Hassnachrichten und Gewaltandrohungen.

In seiner Heimatstadt Zwickau hatten die Mitglieder der neonazistischen terroristischen Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU), die um 1999 zur Ermordung von Menschen mit Migrationshintergrund aus rassistischen und fremdenfeindlichen Motiven gebildet wurde, längere Zeit unentdeckt gelebt und dort auch Unterstützung erhalten. Zwischen 2000 und 2007 ermordeten die drei Haupttäter Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe neun Migranten und eine Polizistin, verübten 43 Mordversuche, drei Sprengstoffanschläge sowie 15 Raubüberfälle. Die Zahl der an den Taten Beteiligten und ihrer lokal sowie überregional vernetzten Unterstützer ist umstritten; ihr Umfeld wird auf 100 bis 200 Personen geschätzt.

Warnsignal und Hoffnungsschimmer

Seine Erfahrungen bei den „Fridays for Future“-Veranstaltungen und die Erkenntnis, dass seine Heimat ein zentraler Ort für neonazistisches Gedankengut ist, trugen wesentlich dazu bei, dass sich Jakob Springfeld als Aktivist für Menschenrechte, Freiheit und Demokratie einsetzte. Sie führten 2022 zur Veröffentlichung seines in Kooperation mit Issio Ehrich geschriebenen Buches „Unter Nazis. Jung, ostdeutsch, gegen Rechts“. Seine Geschichte ist die Darstellung einer „Zerreißprobe“. Das Werk schildert die harte Realität, mit der junge Aktivistinnen und Aktivisten in Städten wie Zwickau konfrontiert sind: Drohungen, Gewalt und Angst. Es betont jedoch auch die Möglichkeit, dass selbst solche Städte zu progressiven demokratischen Keimzellen werden können. Der junge Autor fordert eine lautere Stimme der ostdeutschen Zivilgesellschaft, die nicht nur nach Angriffen durch Neonazis gehört wird. Das Buch soll einerseits Warnsignal, gleichzeitig aber auch Hoffnungsschimmer sein.

Intensiver Austausch mit den Jugendlichen

Jakob Springfeld las in Weilburg nicht nur aus seinem Buch, sondern suchte auch das Gespräch und den Austausch mit den angehenden Abiturientinnen und Abiturienten. Er diskutierte mit ihnen über aktuelle Entwicklungen und die damit verbundenen Gefahren für die Demokratie in Deutschland. Dabei beantwortete der Klimaaktivist zahlreiche Fragen zu seiner Person, seinen Aktivitäten und Erfahrungen. Außerdem sprach er mit den Schülerinnen und Schülern über deren Erlebnisse mit rechtsextremen Personen sowie über Zukunftsperspektiven. Durch den geringen Altersunterschied zwischen dem Autor und seinem Publikum entwickelte sich ein reger und abwechslungsreicher Austausch auf einer gemeinsamen Basis.

Jakob Springfeld ist Mitglied des PEN Berlin, gehört dem Kuratorium der Theodor-Heuss-Stiftung an und ist einer der Hosts des Podcasts „Ortskontrollfahrt“. Der junge Literat ist Träger der Theodor-Heuss-Medaille für besonderes Engagement für Demokratie und Bürgerrechte; der „Spiegel“ hat ihn zu den hundert Hoffnungsträgern des Landes ernannt. Als Autor und Aktivist für Menschenrechte und Klimagerechtigkeit tourt Jakob Springfeld mit seinen Büchern durch Schulen, Jugendzentren, Kirchengemeinden und Literaturhäuser, um mit unterschiedlichsten Menschen über Demokratie, Zivilcourage und sein Aufwachsen in Ostdeutschland ins Gespräch zu kommen.

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