Gesellenbriefe für 37 Fachkräfte des Waldes
Nach drei Jahren dualer Ausbildung bei HessenForst, in Kommunalwäldern oder Privatbetrieben sowie am Forstlichen Bildungszentrum (FBZ) und an der Wilhelm-Knapp-Schule (WKS) Weilburg nahmen die Absolventinnen und Absolventen ihre Gesellenbriefe und Berufsschulzeugnisse entgegen.
Das Wichtigste in Kürze
- Abschluss: 37 neue Forstwirtinnen und Forstwirte erhielten Gesellenbriefe, Berufsschulzeugnisse und das Europäische Motorsägenzertifikat der höchsten Stufe.
- Ausbildungsort: Forstliches Bildungszentrum und Wilhelm-Knapp-Schule in Weilburg, Landkreis Limburg-Weilburg, in Zusammenarbeit mit HessenForst, kommunalen und privaten Ausbildungsbetrieben.
- Klassenbeste: Finn Ammelung aus der Klasse 23 B war mit 1,43 Jahrgangsbester; Lino Milas Hofmann erreichte in der Klasse 23 A die Note 1,53.
- Zukunftsaufgabe: Die jungen Fachkräfte gestalten klimaresiliente Wälder, pflegen Bestände und sichern deren Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen.
Feierlicher Abschluss am FBZ Weilburg
Die Bedeutung des Tages zeigte sich an den vielen Gästen im großen Saal des Hauses „Lärche“ am Forstlichen Bildungszentrum. Neben Familien und Freunden waren zahlreiche Ausbilderinnen und Ausbilder, Lehrkräfte, Mitglieder des Prüfungsausschusses und Personalratsvertretungen gekommen. Zu den Ehrengästen gehörte Dr. Bernhard Graf von Finckenstein, Landesbetriebsleiter von HessenForst.
Dr. Hendrik Horn, Leiter des FBZ, dankte allen Institutionen und Beteiligten, die zur Ausbildung und zum erfolgreichen Abschluss beigetragen haben: dem Prüfungsausschuss, den Ausbildungsbetrieben, den Lehrkräften der Wilhelm-Knapp-Schule, dem Ausbildungsteam des FBZ und den Mitarbeitenden der Verwaltung.
Expertinnen und Experten für den Wald
Dr. Bernhard Graf von Finckenstein würdigte das breite Ausbildungsprofil: Holzernte, Maschinenführung und Instandsetzung, Bestandspflege, praktischer Natur- und Landschaftsschutz sowie das fachliche Fundament der Berufsschule machten die Absolventinnen und Absolventen zu „Expertinnen und Experten für den Wald“.
Angesichts von Dürre, Stürmen und neuen Schadorganismen komme ihnen eine Schlüsselrolle zu. Vielfältige, stabile Wälder, neue Baumartenmischungen und gut gepflegte Verjüngung seien Antworten auf den Klimawandel. Dafür brauche es Menschen, die genau hinsehen und anpacken. Zugleich ermutigte der Landesbetriebsleiter die jungen Fachkräfte, wissbegierig zu bleiben, Fortbildungen zu nutzen und eigene Ideen einzubringen.
„Wie junge Eichen – fest verwurzelt in ihrem Handwerk“
Schulleiter Stefan Jeanneaux-Schlapp verglich den Entwicklungsweg der Absolventinnen und Absolventen mit jungen Setzlingen, die nach drei Ausbildungsjahren wie junge Eichen fest in ihrem Handwerk verwurzelt seien. Der Forstwirtberuf sei kein Beruf für Schönwettertage: Er verlange Arbeit bei Hitze und Frost, mit Motorsäge und Augenmaß, mit Muskelkraft und Verstand.
Mit dem Sprichwort „Der beste Zeitpunkt, einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren. Der zweitbeste ist jetzt“ verdeutlichte er die langfristige Wirkung des Berufs. Die heute gepflegten Bäume spendeten erst kommenden Generationen Schatten. Der Wald brauche Menschen, die ihn verstehen, pflegen und erhalten. Sein Dank galt den Ausbildungsteams des FBZ, der Berufsschule, den Betrieben und Forstämtern: Das duale System lebe von diesem Zusammenspiel.
„Gehen Sie hinaus in die Wälder – aufrecht wie die Bäume, die Sie pflegen, und mit Wurzeln, die Sie tragen, wohin dieser Weg auch führt.“
— Stefan Jeanneaux-Schlapp, Schulleiter der Wilhelm-Knapp-Schule
Verantwortung, Sicherheit und gesellschaftlicher Zusammenhalt
Frank Subtil, Vorsitzender des Hauptpersonalrats beim hessischen Landwirtschaftsministerium, bezeichnete den erlernten Beruf als ehrenwert, interessant und zugleich gefährlich. Er appellierte an die Jungforstwirtinnen und Jungforstwirte, die Berufsehre hochzuhalten, ihre Zukunft aktiv zu gestalten und sich für Demokratie und den ländlichen Raum einzusetzen.
Marius Schubert, stellvertretender Vorsitzender des Gesamtpersonalrats von HessenForst, erinnerte an die besondere Verantwortung bei der Waldarbeit. Können, Konzentration und umsichtiges Handeln seien unverzichtbar, denn die Arbeit verzeihe keine Fehler. Seine zentrale Botschaft: Kein Auftrag und keine Kennzahl seien wichtiger als die Gesundheit – entscheidend sei, dass alle am Abend sicher nach Hause kommen.
Prüfungsausschussvorsitzender Christian Reiter dankte allen an Ausbildung und Prüfung Beteiligten. Besonders würdigte er die Ausbildungsassistenten Noah Heinrich und Luca Möller sowie Klaus Bartling und Klaus Oesterling, die in den Ruhestand verabschiedet wurden. An den Jahrgang appellierte er, reale Begegnungen, Meinungsvielfalt und Menschenwürde zu bewahren: Austausch und Perspektivwechsel seien entscheidend für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Ein Berufsweg, der in Generationen denkt
Annalena Gaßmann, Vertreterin des Kollegiums und der Arbeitslehrer des FBZ, verglich die Ausbildung mit forstlichem Wegebau. Wege entstünden durch Planung, Arbeit und viele einzelne Entscheidungen. Schritt für Schritt hätten die Auszubildenden Verantwortung für Menschen, Werkzeug, Sicherheit, Team und Wald übernommen. Der Beruf gehe weit über Fällen und Pflanzen hinaus: Forstwirtinnen und Forstwirte gestalten die Wälder von morgen und treffen heute Entscheidungen, deren Wirkung oft erst viele Jahre später sichtbar wird.
FBZ-Leiter Dr. Hendrik Horn erinnerte daran, dass mit dem Abschluss nicht das Lernen, sondern lediglich die Art der Lehre wechsle. Die größte Tugend im Forstberuf liege darin, Gefahren richtig einzuschätzen und im Zweifel Nein zu sagen. Für ein gutes Arbeitsleben sei zudem das soziale Miteinander entscheidend: „Es geht nicht gegeneinander, es geht nicht nebeneinander, es geht nur miteinander.“
Stimmen aus den Abschlussklassen
Moritz Hubertus Staffa blickte für die Klasse 23 A auf Höhen, Tiefen und Freundschaften während der Ausbildung zurück. Wie eine Motorsägenkette nach dem Kontakt mit einem Fremdkörper nachgefeilt werden müsse, brauche auch das Berufsleben ständiges Lernen. Die Ausbildung habe Verantwortungsbewusstsein, Teamarbeit und nachhaltiges Denken vermittelt.
Loreen Bacher sprach für die Klasse 23 B. Der Wald kenne weder Feierabend noch perfektes Wetter, betonte sie. Gerade deshalb sei die fundierte praktische und theoretische Vorbereitung so wichtig. Aus Kolleginnen und Kollegen seien während der drei Jahre Freunde geworden – und alle könnten stolz auf ihren Abschluss sein.
Klassen- und Jahrgangsbeste
Bei der Übergabe der Prüfungszeugnisse und Forstwirturkunden wurden auch die besten Leistungen ausgezeichnet. Lino Milas Hofmann aus der Klasse 23 A erreichte die Durchschnittsnote 1,53. Finn Ammelung aus der Klasse 23 B wurde mit 1,43 zugleich Jahrgangsbester. Beide erhielten als Anerkennung eine Forstaxt mit persönlicher Gravur.
Die neuen Forstwirtinnen und Forstwirte 2026
Klasse 23 A
Klassenlehrkräfte: Astrid Weber, Dirk Mack und Dr. Andreas Böttig
Lena Bepler, Wettenberg (Gemeinde Wettenberg); Merle Bretting, Rotenburg (Forstamt Rotenburg); Ruslan Davletov, Rotenburg (Forstamt Rotenburg); Paula Döring, Romrod (Forstamt Burghaun); Lukas Grebenstein, Nentershausen (Forstamt Bad Hersfeld); Lino Milas Hofmann, Grünberg (Stadt Lich); Adrian Kolbe, Spangenberg (Forstamt Melsungen); Max Ludwig, Fritzlar (Forstamt Jesberg); Andre Macziejek, Koblenz (Stadt Herborn); Tim Neuhaus, Bischoffen (Gemeinde Lahnau); Sören Wolfgang Pokrzewinski, Tann/Rhön (Forstamt Fulda); Carl Iannis Schombert, Mücke-Merlau (Forstamt Romrod); Jonathan Sömmer, Herleshausen-Altefeld (Forstamt Hessisch Lichtenau); Valentin Sommerlade, Knüllwald (Forstamt Melsungen); Moritz Hubertus Staffa, Solms-Oberndorf (Magistrat der Stadt Wetzlar); Jonas Gideon Stark, Gemünden/Felda (Forstamt Romrod); Luca Steinberg, Willingshausen-Merzhausen (Forstamt Bad Hersfeld); Ronja Andrea Wende, Metzlos-Gehaag (Forstamt Jesberg); Janis Paul Werner, Mittenaar (Gemeinde Wettenberg).
Klasse 23 B
Klassenlehrkräfte: Astrid Weber, Dirk Mack und Dr. Andreas Böttig
Finn Ammelung, Selters/Taunus (Forstamt Königstein); Loreen Bacher, Wölfersheim (Gemeinde Kefenrod); Paul Bendisch, Sinntal (Forstamt Jossgrund); Tobias Bruns, Bad König (Forstamt Beerfelden); Sky Kai Darmstädter, Alsbach-Hähnlein (Forstamt Lampertheim); Lukas Engel, Bad Homburg vor der Höhe (Stadt Frankfurt am Main); Mika Heid, Bad Soden-Salmünster (Forstamt Jossgrund); Jonas Herweh, Lampertheim (Forstamt Lampertheim); Julian Hess, Wiesbaden (Forstamt Wiesbaden-Chausseehaus); Jan-Niclas Kipper, Gedern (Forstamt Schotten); Kai Albrecht Kühnel, Oberursel (Forstamt Königstein); Ghenadie Macari, Frankfurt am Main (Stadt Frankfurt am Main); Hannah Maul, Riedstadt (Forstamt Lampertheim); Maximilian Rank, Bad Camberg (Forstamt Weilmünster); Ben Wachtel, Offenbach am Main (Forstamt Dieburg); Silas Weldert, Heidenrod (Gemeinde Heidenrod); Lennart Zimmermann, Nidda (Stadt Ortenberg).
Forstwirt-Ausbildung an der WKS Weilburg
Die dreijährige duale Ausbildung verbindet praktische Arbeit im Ausbildungsbetrieb mit Fachunterricht und überbetrieblichen Lehrgängen. Lernfelder sind unter anderem Waldbewirtschaftung, Holzernte, Naturschutz, Maschinen- und Gerätetechnik sowie Arbeitssicherheit.
Weitere Informationen bietet das Berufsporträt Forstwirtin/Forstwirt an der Wilhelm-Knapp-Schule Weilburg. Ausbildungsbetriebe können neue Auszubildende über die Online-Anmeldung der WKS melden.